Ratgeber Fatigue Syndrom

Informationen für Betroffene und Interessierte

Diagnose von Fatigue

Die Abgrenzung von allgemeiner Müdigkeit und Erschöpfung zu Fatigue ist häufig schwierig. Eine generell gültige Abstufung von Müdigkeit ist schwer messbar. Die eigene Beurteilung des Betroffenen und die Beobachtung durch die Umgebung sind die aussagekräftigsten Kriterien für die Diagnosestellung bei Fatigue.

Anamnese

Ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient ist für die Diagnosestellung unverzichtbar. Da alle Patienten bei chronischen Erkrankungen unterschiedlich auf die Symptome und therapeutischen Maßnahmen im Rahmen der Erkrankung reagieren, identifizieren die meisten Patienten die Erschöpfung und Müdigkeit nicht als behandelbare Symptome, sondern nehmen sie als „lästiges Übel“ hin. Ein Fragenkatalog hilft bei der Unterscheidung von allgemeiner und fatiguebedingter Erschöpfung und hinterfragt die körperliche und geistige (mental-kognitive) Leistungsfähigkeit und das seelische Befinden.

Erkennen der Symptome

Ein gut ausgebildeter Arzt fragt die Anzeichen der Fatigue ab und verordnet lindernde Maßnahmen. Im Rahmen des Gespräches wird der Arzt nach allgemeiner Schwäche, Schweregefühl in den Gliedern, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwächen, Motivationsproblemen und Schlafverhalten fragen. Schwierigkeiten bei der Bewältigung von beruflichen und privaten Aufgaben und seelische Schwankungen sind weitere Anzeichen, die zur Diagnose Fatigue führen.

Internationale Definition

Zur Diagnose von Fatigue wurden international Definitionskriterien festgelegt: Bei Patienten, die innerhalb eines Monats täglich oder innerhalb von 14 Tagen fast täglich mit erheblicher Erschöpfung, einem niedrigen Energiepegel und einem – trotz gleichbleibender Aktivität –erhöhten Ruhebedürfnis kämpfen, wird das Fatigue-Syndrom diagnostiziert.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Trotz festgelegter Definitionskriterien, die eine Diagnose ermöglichen können, empfinden die Betroffenen die Anzeichen des Fatigue-Syndroms sehr unterschiedlich. Die Einschränkungen, mit denen Patienten zu kämpfen haben, passen nicht immer zu den ermittelten medizinischen Fakten. Gerade im mental-kognitiven Bereich weichen die subjektiven Empfindungen von den messbaren Werten häufig ab. Eine Eigeneinschätzung ist letztendlich für die Erkenntnis über ein Fatigue-Syndrom unverzichtbar. Dabei haben die Fähigkeit des Patienten, sich selbst zu beobachten, und die unterschiedlich gute Bewältigung der Krankheitssituation einen Einfluss auf die Diagnoseermöglichung.

Messung der Blutwerte

Blutarmut (Anämie) ist eine der eindeutigeren Ursachen und Gründe für Fatigue. Im Rahmen der Diagnosestellung werden daher der Anteil des Blutfarbstoffs (Hämoglobin), der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und der festen Blutbestandteile (Hämatokrit) gemessen. Sind die Werte niedriger als bei gesunden Menschen, liegt eine Anämie vor, die als einer von mehreren Faktoren ein Fatigue-Symptom bedingen kann.

Abgrenzende Diagnostik

Vermehrte Erschöpfung kann auch durch Faktoren wie Blutarmut, Eisenmangel, Infektionen oder Störungen von Elektrolythaushalt und Stoffwechsel auftreten, ohne dass ein Fatigue-Syndrom diagnostiziert wird. Die Medikamente im Rahmen der Behandlung derjenigen Krankheiten, die mit dem Erschöpfungssyndrom im Zusammenhang stehen, verzeichnen häufig chronische Müdigkeit als Nebenwirkung.

Barbara Kliem

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